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Landesarchiv >> Staatsarchiv Ludwigsburg >> Aktuelles der Abteilung >> Pressemitteilungen >> Kooperation zwischen Yad Vashem und Landesarchiv

Kooperation zwischen Yad Vashem und Landesarchiv

Aufarbeitung von Akten zur Rückerstattung jüdischen Vermögens

Das Landesarchiv Baden-Württemberg und die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem haben eine enge Kooperation bei der Erschließung und Zugänglichmachung von Unterlagen über die Verfolgung und Vernichtung der Juden während der NS-Zeit vereinbart.

Die 1953 durch einen Beschluss des israelischen Parlaments gegründete Gedenkstätte Yad Vashem hat die Aufgabe, die Geschichte des Holocausts zu dokumentieren und insbesondere das Andenken an die sechs Millionen Opfer zu bewahren. Zu diesem Zweck hat Yad Vashem eine der weltweit größten Sammlungen mit Dokumenten zur Geschichte des Holocausts aufgebaut. Sie umfasst zwischenzeitlich mehr als 62 Millionen Dokumentenseiten, fast 270.000 Photographien und Tausende von audiovisuellen Zeugnissen.

Seit einigen Jahren konzentriert das Archiv in Yad Vashem seine Sammlungsaktivitäten die einschlägigen Aktenbestände in europäischen Archiven. Zu diesem Zweck arbeiten Mitarbeiter von Yad Vashem auch in den verschiedenen Archivabteilungen des Landesarchivs Baden-Württemberg, um Dokumente über die Opfer des Holocausts zu ermitteln. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist das Staatsarchiv Ludwigsburg, das mit seiner umfangreichen Überlieferung über die Entnazifizierungsverfahren, polizeiliche Ermittlungen und Gerichtsprozesse gegen NS-Verbrecher sowie Rückerstattungs- und Wiedergutmachungsverfahren in der Nachkriegszeit den bedeutendsten Quellenfundus zur Geschichte des Dritten Reichs in Baden-Württemberg verwahrt.

In diesen Tagen startet ein gemeinsames Projekt des Staatsarchivs Ludwigsburg und der Gedenkstätte Yad Vashem, mit dem die Unterlagen des sog. Schlichters für Wiedergutmachung in Stuttgart und damit ein zentraler Aktenbestand aus der Nachkriegszeit erstmals systematisch erschlossen werden soll, dessen Dokumente über die nicht zuletzt jüdischen Opfer des NS-Regimes Auskunft geben.

Mit der Verfolgung der jüdischen Mitbürger war auch die Vernichtung ihrer materiellen Existenz einher gegangen. Jüdische Firmen und Unternehmen wurden unter Zwang verkauft. Vor der Auswanderung mussten die Verfolgten ihre Firmen, Grundstücke, Wertpapiere usw. oft zu Spottpreisen veräußern. Schmuck, Edelmetalle und sonstige Wertgegenstände mussten von ihren jüdischen Besitzern an staatliche Stellen abgeliefert werden. Mit der Deportation in die Vernichtungslager fiel dann auch die letzte etwa noch verbliebene Habe an das Deutsche Reich.

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft musste die Rückerstattung solcher geraubten Vermögenswerte geregelt werden. Nicht selten konnte sich allerdings kein Überlebender mehr melden, weil ganze Familien komplett umgebracht worden waren; in solchen Fälle trat eine jüdische Nachfolgeorganisation als Antragsteller ein. Die Anträge wurden bei einem Schlichter für Wiedergutmachung bearbeitet, der für den nordwürttembergischen Raum in Ulm und Stuttgart saß. Die hier entstandenen über 26.000 Akten ermöglichen eine umfassende Rekonstruktion der Ausplünderung der jüdischen Mitbürger - und wie mit den Ansprüchen der Überlebenden nach 1945 umgegangen wurde. Die zeitgeschichtliche Forschung hat daher an diesen Rückerstattungsakten ein großes Interesse.

Die Namen aller verfolgten Personen und Einrichtungen (betroffen war z.B. auch die Israelitische Kultusgemeinde) - mit deren Wohnort oder Sitz vor der Auswanderung oder Deportation werden im Rahmen dieses Projekts erfasst. So können über die Rückerstattungsakten die jüdischen Einwohner der (nord-) württembergischen Orte und ihr späteres Schicksal recherchiert werden.

Die Dokumentation über den Aktenbestand steht nach Abschluss der Erschließungsarbeiten - unter Beachtung der üblichen archivrechtlichen Einschränkungen - sowohl Nutzern in Jerusalem wie in Ludwigsburg für Recherchen zur Verfügung. Zudem wird der Bestand vollständig auf Mikrofilm aufgenommen. Erschließung und konservatorische Behandlung des Bestands werden von Yad Vashem finanziell unterstützt. Im Gegenzug erhält die Gedenkstätte eine Kopie des Mikrofilms, die künftig auch von Forschern in Jerusalem eingesehen werden kann.