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Medienkunst mit Karlsruher Archivalien im ZKM

LUNGS: SLAVE LABOUR von GRAHAM HARWOOD mit Daten aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe

ZKM in Karlsruhe
ZKM in Karlsruhe

Mit "vielfachen Auswertungsmöglichkeiten von Archivgut" wird meistens umschrieben, dass eine historische Information aus einem Archiv unter unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und gedeutet werden kann - der Beginn eines üblichen historischen Diskurses.

Übersehen wird dabei, dass Informationen aus Archivgut auch in anderen Wahrnehmungsebenen Wirkung entfalten können. Archivgut kann mit den Augen gelesen, mit den Händen gefühlt oder mit den Ohren gehört werden. Wenn während dieses Prozesses noch mit Verfremdungen gearbeitet wird, lassen sich völlig neue Dimensionen des Verstehens von Archivalien, neue Dimension der Annäherung an historische Situationen eröffnen.

Graham Harwood hat mit 'Lungs: Slave Labour', in der Ausstellung "Making things public. Atmosphären der Demokratie" des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) (seit 19.3.2005) Informationen aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe zu Zwangsarbeitern aus der Region verwendet.

In diesem Gebäude, das zuvor von der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik Karlsruhe genutzt worden war und in dem nun die Ausstellung präsentiert wird, wurden während des Zweiten Weltkrieges über 4.500 Personen unter anderem aus Polen, der UdSSR, Frankreich, Italien, Niederlande, Luxemburg, Norwegen und der Tschechoslowakei zur Arbeit gezwungen. Sie wurden meist zwangsrekrutiert, um von 1940-1945 unter unwürdigen Bedingungen Munitionsteile für die Deutsche Wehrmacht zu fertigen. Allein in Karlsruhe waren ungefähr 17.000 Zwangsarbeiter eingesetzt.

Der englische Künstler Graham Harwood hat nun in einer komplexen Rechnung das Lungenvolumen der Zwangsarbeiter während ihrer Karlsruher Zeit berechnet und lässt diese Atmung rechnergesteuert über Lautsprecher akustisch verströmen. Das hörbare Ein- und Ausatmen ist verbunden mit einer Bildschirmanzeige, auf der Angaben zu einzelnen Zwangsarbeitern - gleichsam in diesem Augenblick Atmenden - erscheinen. So geschieht ein akustische Sensibilisierung, die nicht darauf beruht, dass das Archivgut, z.B. Namen, verlesen werden, wie es in anderen Erinnerungsprojekten (z.B. Yad Vashem) geschieht, sondern dass Leben hörbar gemacht wird.

Innerhalb der Ausstellung, in der im Kern 'Politik' zum Thema gemacht wurde, ist dieses Projekt ein gelungenes Beispiel im Kapitel "Follow the Paper Trails", in dem Archive, in denen politisches Handeln nachvollziehbar wird, als Elemente der Demokratie herausgestellt werden.

Das Projekt konnte durch die Zusammenarbeit mit dem Generallandesarchiv Karlsruhe ermöglicht werden, das seit dem Jahre 2000 systematisch Daten von ehemaligen Zwangsarbeitern in Baden erfasst. Aufgrund der Durchsicht von authentischen Quellen aus dem Raum Nordbaden konnten bisher für 57.000 Personen Datensätze erstellt werden. Dank dieser Informationen können Anfragen der Betroffenen wie auch der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" der Bundesrepublik Deutschland beantwortet werden. Noch bis heute fehlt bei vielen Quellen die historische Aufarbeitung und damit die entsprechenden Würdigung einzelner Schicksale.

Graham Harwood /Mongrel - Lungs: Slave Labour, 2005 - based on data of Generallandesarchiv Karlsruhe (department of the Landesarchiv Baden-Württemberg)

Dr. Clemens Rehm, April 2005

Archivgut
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