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Aktuelles >> Pressemitteilungen >> Kulturgut aus Archiven, Bibliotheken und Museen im Internet. Die Digitalisierung des kulturellen Erbes im Rahmen des eEurope-Aktionsplans

Kulturgut aus Archiven, Bibliotheken und Museen im Internet. Die Digitalisierung des kulturellen Erbes im Rahmen des eEurope-Aktionsplans

Archive, Bibliotheken und Museen stellen für die Allgemeinheit dauerhaft aufzubewahrendes Kulturgut zur Verfügung. Dabei spielt in der heutigen Informationsgesellschaft für alle Institutionstypen, die Kulturgut verwahren und zugänglich machen, die so genannte Digitalisierung des kulturellen Erbes im Hinblick auf eine zeitgemäße Nutzung, aber auch im Hinblick auf eine Langzeitsicherung eine immer größere Rolle. Unter "Digitalisierung des kulturellen Erbes" versteht man vor allem die digitale Aufbereitung von Beständen aus Archiven, Bibliotheken und Museen für das Internet, d.h. die vernetzte Bereitstellung von Erschließungsleistungen in Form von Online-Findmitteln oder OPACs (Online-Katalogen), und Präsentation der digitalisierten Objekte selbst. Darüber hinaus gehört auch das Thema "Langzeitarchivierung digitaler Dokumente" in diesen Kontext.

Die Digitalisierung von Kulturgut ist ein wesentlicher Beitrag im Rahmen der sich weiterentwickelnden Informationsgesellschaft in Europa und in Deutschland, die durch die drei Schlagworte eCommerce, Handel und Warenverkehr über das Internet, eGovernment, Abwicklung von staatlichen Verwaltungsdienstleistungen über das Internet, und eLearning, Lernumgebungen über das Internet, charakterisiert werden kann. Insbesondere die beiden letzteren Bereiche eGovernment und eLearning stehen dabei in Archiven, Bibliotheken und Museen im Vordergrund, indem z.B. Online-Findmittel mit Bestellmodulen oder didaktische Quellenpräsentationen im Internet angeboten werden. Das Landesarchiv Baden-Württemberg stellt sich schon seit vielen Jahren den Herausforderungen der Informationsgesellschaft durch ein umfassendes Online-Angebot und arbeitet auch aktiv an den strategischen Aktionen zur Digitalisierung des Kulturguts auf europäischer und nationaler Ebene mit.

Zurzeit sind für die Koordinierung des digitalen Kulturerbes auf europäischer Ebene im Rahmen des so genannten eEurope-Aktionsplans verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Dazu gehört in erster Linie die Entwicklung von nationalen Strategien und Ermittlung eines relevanten und sichtbaren "European Cultural Added-Value", d.h. Beschäftigung mit dem europaspezifischen Kulturerbe und der Fragestellung, was am nationalen Kulturerbe europaspezifisch ist. Berücksichtigt werden müssen dabei die Mehrsprachigkeit, die Entwicklung einer digitalen Infrastruktur und die kommerzielle, wirtschaftliche Verwertung einer Kulturgutdigitalisierung. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Implementierung von Suchmaschinen und Portalen für eine länderübergreifende Recherche nach digitalisiertem Kulturgut unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit. Die Notwendigkeit eines gemeinsamen europäischen Vorgehens zeigt sich zurzeit insbesondere an der aktuellen Diskussion um die Digitalisierung ganzer englischsprachiger Bibliotheksbestände in den USA und Großbritannien durch den Suchmaschinenbetreiber Google und die Gegenreaktion führender europäischer Staaten darauf - darunter auch Deutschland -, das einzigartige, mehrsprachige Kulturerbe Europas in einer konzertierten Aktion zu vernetzen und letztlich das kulturelle und wissenschaftliche Erbe strukturiert und im großen Stil im Internet verfügbar zu machen.

Der eEurope-Aktionsplan

Die Europäische Kommission hat zur Förderung der Informationsgesellschaft (Information Society) im Dezember 1999 die Initiative eEurope gestartet, um Europa "ans Netz zu bringen". Hierfür wurde ein so genannter eEurope-Aktionsplan erstellt. Im Juni 2000 hat der Europäische Rat dem "eEurope-Aktionsplan 2002" zugestimmt (Laufzeit 2000-2002, http://europa.eu.int/geninfo/accessibility_policy_de.htm). Dieser Aktionsplan mit dem Ziel, die Nutzung des Internets zu fördern, umfasst auch den Bereich "Europäische digitale Inhalte für globale Netze". Hier wird explizit auch der kulturelle Bereich genannt, und es wird gefordert, dass ein Mechanismus zur Koordinierung der Digitalisierungsprogramme der Mitgliedsstaaten gefunden und gemeinsame Themen festgelegt werden. Im Juni 2002 wurde vom Europarat der "eEurope 2005 Action Plan" (Laufzeit: 2002-2005, http://europa.eu.int/information_society/eeurope/2005/index_en.htm) verabschiedet. Innerhalb des eEurope 2005 Aktionsplans wird die Digitalisierung von Kulturgut weiterhin gefördert. Neben der Verbesserung der Zugänglichkeit spielt nun auch die Langzeitsicherung digitaler Unterlagen und Objekt ein wichtige Rolle. Nachfolger des eEurope-Aktionsplans wird ab 2006 die so genannte i2010-Initiative (European Information Society in 2010, http://europa.eu.int/information_society/eeurope/i2010/index_en.htm).

Die Finanzierung der Aktivitäten zur Digitalisierung von Kulturgut im Rahmen des eEurope-Aktionsplans erfolgt in erster Linie über die so genannten Forschungsrahmenprogramme (Framework Programmes). Dabei sind die europäischen Forschungsaktivitäten seit 1984 in aufeinander folgenden Vierjahresprogrammen organisiert. Momentan läuft das 6. Rahmenprogramm mit einer Laufzeit von 2002-2006 (Gesamtvolumen: 17,5 Billionen EUR, http://fp6.cordis.lu/fp6/home.cfm). Hinsichtlich der Förderkriterien weist dieses Rahmenprogramm gegenüber seinen Vorgängern eine neue Strategie auf, indem vorwiegend Projekte berücksichtigt werden sollen, die zu dauerhaften europäischen Netzwerken ("Networks of Excellence" und "Integrated Projects") führen. Ziel ist die Vernetzung nationaler Projekte auf europäischer Ebene durch eine Koordination der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Zurzeit ist das 7. Rahmenprogramm in Vorbereitung. Es ist auf sieben Jahre angelegt und hat ein Gesamtfinanzvolumen von insgesamt 72,7 Mrd. EUR. Innerhalb der Forschungsrahmenprogramme ist die für Kulturgutinstitutionen relevante Priorität die "Information Society Technologies (IST) priority" (http://www.cordis.lu/ist). Für das IST-Programm hat die EU-Kommission verschiedene Forschungsschwerpunkte deklariert, zu denen auch die Digitalisierung des kulturellen Erbes gehört.

Die Forschungsrahmenprogramme sind das Hauptinstrument der EU zur Förderung von Forschung und Entwicklung. Daneben gibt es andere Programme, die für Bibliotheken, Archive und Museen relevante Förderungsmöglichkeiten enthalten können, wie etwa das Programm "Culture 2000" mit einer Laufzeit von 2000-2006 (Volumen: 236,5 Mio EUR, http://europa.eu.int/comm/culture/eac/culture2000/cult_2000_en.html). Gefördert werden kulturelle Kooperationsprojekte aus den Bereichen Kunst und Kultur - und damit auch die Digitalisierung des kulturellen Erbes - mit dem Ziel, einen gemeinsamen europäischen Kulturraum zu schaffen. Das "eContentplus"-Vierjahresprogramm (2005-2008, http://europa.eu.int/information_society/activities/econtentplus/index_en.htm) unterstützt mit einem Volumen 149 Mio. EUR die marktorientierte Erstellung, Nutzung und Verteilung von europäischen digitalen Informationsangeboten unter Wahrung der sprachlichen und kulturellen Unterschiede in globalen Netzwerken.

Die "National Representative Group (NRG) for Coordination of Digitisation Programmes and Policies" und das MINERVA/MINERVA Plus-Projekt

Zur Umsetzung der im eEurope-Aktionsplan geforderten Aufgaben, d.h. insbesondere die Erarbeitung von Strategien zur Kulturgutdigitalisierung in Europa, wurde bereits im Dezember 2001 in Brüssel auf Betreiben der EU-Kommission, die sog. "National Representative Group (NRG) for Coordination of Digitisation Programmes and Policies" als Expertenarbeitsgruppe gegründet (http://www.cordis.lu/ist/digicult/eeurope.htm und http://www.minervaeurope.org/structure/NRG.HTM). Die Treffen der NRG - verbunden mit Expertenworkshops - werden in sechsmonatiger Abfolge unter Vorsitz der jeweiligen EU-Präsidentschaft abgehalten. Das letzte Treffen fand vom 20.-22. Juni 2005 in Luxembourg statt. Die NRG hat sich den Grundsätzen von Lund/Schweden ("Lund Principles" and "Lund Action Plan" vom April 2001) verpflichtet und beschließt notwendige Aktionen zu deren Umsetzung. Die deutschen Mitglieder in der NRG sind Monika Hagedorn-Saupe, Institut für Museumskunde in Berlin, als Vertreterin des Bundes und Dr. Gerald Maier, Landesarchiv Baden-Württemberg in Stuttgart, als Vertreter der deutschen Bundesländer.

Operativer Arm der NRG ist das EU-Projekt MINERVA/MINERVA Plus (Ministerial Network for Valorising Activities in Digitisation, http://www.minervaeurope.org), in dem unter der Leitung des italienischen Kultusministeriums ein Netzwerk und eine Arbeitsplattform der Mitgliedsstaaten für den Bereich Digitalisierung des kulturellen Erbes aufgebaut worden ist. Deutschland ist seit November 2002 über die so genannte EUBAM-Arbeitsgruppe (http://www.eubam.de) - vertreten durch den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - Mitglied in MINERVA. Innerhalb von MINERVA gibt es verschiedene Arbeitsgruppen mit bestimmten Aufgaben. So erarbeitet z.B. die AG "Good practice" ein "Good Practice Handbook", das als Handreichung zur Identifizierung erfolgreicher Digitalisierungsstrategien und -techniken für Kulturgut dient (http://www.minervaeurope.org/publications/goodhand.htm). Die AG "Quality" erstellte ein "Handbook for quality in cultural web sites". In dem Handbuch werden Qualitätskriterien für die Präsentation kultureller Webseiten aufgezeigt und auf verschiedene Ressourcen zum Thema in den EU-Mitgliedsländern verwiesen (http://www.minervaeurope.org/publications/qualitycriteria.htm). Darüber hinaus publiziert MINERVA im Auftrag der NRG einen jährlichen "Progress report", der sowohl online als auch in gedruckter Form erscheint (http://www.minervaeurope.org/publications/globalreport/globalrep2004.htm).

Titelblatt des Jahresberichts der NRG
Abb. 1: Titelblatt des Jahresberichts "Coordinating digitisation in Europe. Progress report of the National Representatives Group: coordination mechanisms for digitisation policies and programmes 2004"

EUBAM - Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Europäische Angelegenheiten für Bibliotheken, Archive und Museen" in Deutschland

Für eine sinnvolle Partizipation im Rahmen von EU-Projekten ist der Aufbau einer arbeitsfähigen Kooperationsstruktur auf nationaler Ebene erforderlich. Folgerichtig wurde daher in Deutschland 2001 die für Bibliotheksangelegenheiten eingerichtete EUBIB-Arbeitsgruppe durch Experten des Archiv- und Museumswesens erweitert und als Bund-Länder-übergreifende Arbeitsgruppe unter dem Namen EUBAM - Arbeitsgruppe Europäische Angelegenheiten für Bibliotheken, Archive und Museen (http://www.eubam.de) etabliert. Der Arbeitsgruppe gehören neben Experten aller drei Sparten und der Denkmalpflege Vertreter der Kultusministerkonferenz, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie Bundes- und Länderministerien an. Vorsitzender ist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Prof. Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann, Berlin. Als Geschäftsstelle von EUBAM fungieren drei virtuelle Sekretariate. Für die Archive übernimmt das Bundesarchiv in Berlin diese Aufgabe, für die Museen das Institut für Museumskunde der Staatlichen Museen - Stiftung Preußischer Kulturbesitz und für die Bibliotheken die Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seit September 2004 gibt es als Unterarbeitsgruppe von EUBAM die so genannte EUBAM-MINERVA-Spiegelgruppe mit Experten der verschiedenen Kulturgutdisziplinen. Wichtigstes Ziel für EUBAM ist der Aufbau einer arbeitsfähigen Kooperationsstruktur auf nationaler Ebene. Darüber hinaus kommt der Arbeitsgruppe eine nationale Fokus- und Transferfunktion für die Förderprogramme der EU zu, indem sie strategische Vorgaben formuliert. Weitere Aufgaben sind u.a. die spartenübergreifende Bündelung von Digitalisierungsprojekten zum Kulturerbe, Fragen der Standardisierung und die Organisation von Informationsveranstaltungen.

Ausblick

Die Digitalisierung von Kulturgut schreitet in allen EU-Mitgliedsstaaten voran. Dabei werden insbesondere in zentralistisch organisierten Mitgliedsländern wie z.B. Frankreich nationale Strategien entwickelt. Neben allgemeinen strategischen Fragen sind die zukünftigen Arbeitsschwerpunkte v.a. interdisziplinäre Portale und Suchmaschinen für digitalisiertes Kulturgut und für Online-Findmittel/Online-Kataloge und die Langzeitarchivierung digitaler Dokumente. Im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten gibt es auch in Deutschland, insbesondere auf Länderebene, ein breites Spektrum an Aktivitäten, Projekten und Know-how, allerdings keine nationalen Strategien ("policies") auf Bundes- und Länderebene. Für Deutschland bedeutet dies, dass im Hintergrund von eEurope und i2010 auf nationaler Ebene die Diskussion über eine nationale Strategie ("policy") zur Digitalisierung des kulturellen Erbes und zur Langzeitsicherung digitaler Unterlagen weiter geführt werden sollte, um damit in gebündelter Form die deutschen Interessen im europäischen Kontext besser artikulieren zu können. Es ist geplant das in Deutschland bereits existierende breite Spektrum an Aktivitäten, Projekten und an Know-how in einer von EUBAM aufzubauenden Website "www.kulturerbe-digital.de" zu dokumentieren. Realisiert werden soll das Internetangebot durch ein bei der DFG zu beantragendes Projekt. Als wesentlicher Inhalt wird sie eine so genannte Aktivitäten-Datenbank enthalten und kann damit einen wichtigen Beitrag für die Diskussion um eine nationale Strategie zur Digitalisierung des kulturellen Erbes leisten.