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Landesarchiv >> Jahresberichte >> Jahresbericht 2006 >> Abteilung 7: Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Abteilung 7: Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Nachdem der bisherige Leiter des Hauptstaatsarchivs Stuttgart Ende 2005 zum Präsidenten des Landesarchivs Baden-Württemberg ernannt worden war, wurde die vakante Stelle der Abteilungsleitung Ende März wieder besetzt. Die offizielle Präsentation der neuen Archivleiterin fand im Juni im Rahmen einer Ausstellungseröffnung statt.

Die Überlieferungsbildung beschritt insofern 2006 neue Wege, als erstmals digitale Unterlagen übernommen wurden, die von der beim Staatsarchiv Ludwigsburg eingerichteten Projektstelle für die dauerhafte Sicherung aufbereitet werden. Neben Daten der Umweltmeldestelle (EA 16/201) verdient die beim Kultusministerium entstandene Datenbank "PLUS" (EA 3/156), die umfangreiche Personaldaten von Lehrern seit Anfang der 1980er Jahre enthält, besondere Beachtung.

Unter den analogen Neuzugängen ist namentlich auf Generalakten des Justizministeriums hinzuweisen, die sich mit der Einrichtung und Tätigkeit der Ludwigsburger "Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" (EA 4/106) beschäftigen. Unmittelbar nach der Übernahme setzte bereits die Nutzung dieser Überlieferung ein.

Einen wichtigen Zugang nichtstaatlicher Provenienz stellen die Handakten des Ministerpräsidenten a.D. Erwin Teufel dar, dessen eigentlicher Nachlass aber an das Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung gehen wird. Im AV-Archiv konnten zudem die Wahlwerbesendungen der Bundes- und Landtagswahl 2006 übernommen werden. Über das Staatsarchiv Ludwigsburg kamen Prozessmitschnitte des Stammheim-Prozesses gegen Mitglieder der RAF ein.

Der Beständeaustausch mit Bayern, der sich über viele Jahre erstreckt hatte, kam mit dem physischen Austausch der im zweiten Tauschpaket festgelegten Bestände zum Abschluss. Von den Abgaben der bayerischen Staatsarchive profitierte vor allem das Hauptstaatsarchiv, das rund 80 Regalmeter Akten erhielt, von denen die umfangreichsten Positionen den Zentralbehörden des Herzogtums Württemberg sowie der Fürstlichen Kanzlei Weltlingen zuzuordnen waren. Im Gegenzug gab das Hauptstaatsarchiv über 7 lfd.m. Lagerbücher an das Staatsarchiv Nürnberg ab.

Im Bereich der Bestandserhaltung lag der Umfang der verpackten Akten mit knapp 400 Regalmetern deutlich über dem Umfang der Zugänge, so dass weiter Verpackungsrückstände abgebaut werden konnten. Der präventiven Bestandserhaltung diente auch die Fortbildungsveranstaltung zur Notfallvorsorge, die am 28. Juni im Hauptstaatsarchiv stattfand und von Teilnehmern aus allen Archivabteilungen besucht wurde.

Auch im Bereich der Zugänglichmachung des Archivguts durch Erschließung konnten weiterhin Rückstände aufgearbeitet werden. Bei den älteren Beständen vor 1806 wurden sechs Bestände mit insgesamt ca. 27 Regalmetern vollständig neu erschlossen (A 205 I-III, A 211a, A 386, A 495) sowie Nachträge zu über 60 Beständen eingearbeitet. Es verbleiben im Altwürttembergischen Archiv nunmehr nur noch fünf Bestände mit unverzeichneten Teilen, deren Umfang insgesamt ca. 8 lfd.m umfasst.

Wiederaufgenommen wurde im Berichtsjahr die Verzeichnung der noch ausstehenden Reichskammergerichtsakten (d.h. der auf Stuttgart entfallenden Nachtragsakten), die 2007 zum Abschluss gebracht wird. Weitere Schwerpunkte waren die Weiterführung der Erschließung der weltlichen Lagerbücher der Oberämter sowie die Verzeichnung der bisher nur kursorisch bzw. nicht verzeichneten Bestände des Landtagsarchivs. Außerdem wurde damit begonnen, das Repertorium der Akten des Prozesses gegen Joseph Süß Oppenheimer (A 48/14) für die Online-Fassung zu überarbeiten und zu erfassen.

Bei den neueren Beständen nach 1806 wurden die Neugliederungs- und Verzeichnungsarbeitungen des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten fortgeführt. Dabei konnten die Altbestände E 41, E 46 und E 49 endgültig aufgelöst und die dort noch vorgefundenen Unterlagen in die neue Beständestruktur eingearbeitet werden. Parallel dazu erfolgte die Neuverzeichnung dieser Unterlagen; insgesamt wurden gut 29 Regalmeter erschlossen. Fortgesetzt wurde die Auflösung des letzten noch verbliebenen Altbestands E 36, die voraussichtlich 2007 abgeschlossen sein wird. Im Zuge dieser Arbeiten kam es außerdem zur Neubildung der Bestände E 40/10 (Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten: Institutionen des Alten Reichs), E 63/7 (Kommissionen zur Aushandlung von Staatsverträgen mit Bayern) und E 63/9 (Kommissionen zur Aushandlung von Staatsverträgen mit Baden). Einzelne Bestände wurden als Vorab-Versionen bereits ins Internet gestellt (in der Jahresstatistik noch nicht berücksichtigt). Darüber hinaus konnten die beim Ministerium für politische Befreiung erwachsenen Gnadenakten im Umfang von über 20.000 Archivalieneinheiten abschließend in Scope bearbeitet werden.

Im nichtstaatlichen Bereich lag der Schwerpunkt auf der Erschließung des Archivs der Herzöge von Urach und des Archivs der Freiherren von Varnbüler.

Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt bildete weiterhin die Retrokonversion von Findmitteln; die Aufbereitung älterer Findmittel für das Internet machte erfreuliche Fortschritte. So konnten aus dem Altwürttembergischen Archiv die über 1000 Regalmeter umfassenden Bestände der Weltlichen und Geistlichen Ämterrechnungen, aus der E-Serie die häufig nachgefragten Bestände des Königlichen Kabinetts (E 1ff., E 14) und des Geheimen Rates (E 31) sowie zahlreiche Nachlässe und mehrere Findmittel des Militärarchivs in elektronische Formen überführt werden.

Das Hauptstaatsarchiv ist zusammen mit Abteilung 1 Partner im internationalen Projekt "Bernstein", das im September 2006 mit einer Laufzeit von 30 Monaten begann. Neun Institutionen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Österreich sind daran beteiligt. Ziel des Projektes ist die Erstellung einer integrierten europäischen digitalen Umgebung für Wasserzeichen und zur Papiergeschichte.

Im Druck erschien das Inventar zu den Beständen A 16a und A 74 "Württembergische Gesandtenberichte und Gesandtschaftsakten 1619-1806."

Sehr erfreulich war, dass der Trend des Rückgangs der Nutzerzahlen der letzten Jahre gestoppt und die Anzahl der Nutzungen gegenüber dem Vorjahresergebnis um knapp 17 % gesteigert werden konnte. Eine besondere Herausforderung gleichermaßen für die Nutzer wie für das Lesesaalpersonal war der Test und die Einführung des elektronischen Bestellvorgangs im Lesesaal. Das Hauptstaatsarchiv begann - nach einer Schulung und einer zweiwöchigen internen Testphase - den Pilotbetrieb Ende Oktober 2006. In engem Austausch mit Referat 13 wurden die Funktionalitäten des Systems in vielen Bereichen noch verbessert. Bis zum Jahresende 2006 wurden bereits 300 Nutzerausweise ausgegeben.

Im Bereich "Informationen aus Archivgut" trat das Hauptstaatsarchiv wieder mit einer Vielzahl von Veranstaltungen - u.a. Ausstellungen, Archivalienpräsentationen, Workshops, Führungen und Schülerprogrammen - an die Öffentlichkeit. Großes Interesse fand die Ausstellung "Heute gerettet - gesichert für die Zukunft. Konservierung und Restaurierung von Kulturgut im Landesarchiv Baden-Württemberg", die das Hauptstaatsarchiv in Verbindung mit dem Institut für Erhaltung erarbeitete. Mit der vielgestaltigen Präsentation, die 2007 auch an anderen Orten gezeigt wird, gelang es, die archivische Kernaufgabe der Bestandserhaltung einem breiten Publikum nahe zu bringen.

Als Begleitprogramm zur Fußballweltmeisterschaft zeigte das Hauptstaatsarchiv im Juni und Juli die Ausstellung "Der Ball ist rund", verbunden mit einem historischen Torwandschießen. Anknüpfend an Jubiläen und Gedenktage waren Archivalienpräsentationen (Archivale des Monats) folgenden Themen gewidmet: "Vor 200 Jahren: Württemberg wird Königreich" (April), "450 Jahre Klosterschulen im Herzogtum Württemberg: Das Beispiel Adelberg" (Mai), "200 Jahre Religionsfreiheit in Württemberg. Der Weg nach St. Eberhard" (September), "Mozart auf dem Weg nach Paris" (Oktober) und "Klaus Mehnert (1906-1984): Publizist - Politologe - Professor" (November). Auf "Wanderschaft" gingen die Ausstellungen "Die deutsch-französischen Beziehungen im Spiegel deutscher Schulatlanten" (Lyon), "Antonia Visconti, Ein Schatz im Hause Württemberg" (Kevelaar) und "Kurt Georg Kiesinger" (Bundesarchiv Koblenz). Das Hauptstaatsarchiv beteiligte sich wieder an der "Langen Nacht der Museen", der Französischen Woche sowie am Tag der Archive. Die häufig nachgefragten Bestände des Militärarchivs wurden im Rahmen zweier thematischer Führungen "Militär im Königreich Württemberg" sowie eines Workshops an drei Abenden zum Thema "Caporetto 1917- württembergische Truppen an der Alpenfront" vorgestellt.

Vom 1. Mai bis zum 31. Dezember hat das Hauptstaatsarchiv die praktische Ausbildung eines neuen Referendarkurses - des 41. wissenschaftlichen Lehrgangs der Archivschule Marburg - organisiert und betreut. Ferner wurden acht Praktikanten - Geschichtsstudenten, Schüler, ein Polizeibeamter in der Ausbildung für den Gehobenen Dienst - mit der Arbeit in einem Archiv vertraut gemacht. Darüber hinaus gab es eine große Nachfrage nach weiteren Praktika, die aus terminlichen Gründen oder aufgrund fehlender personeller und räumlicher Kapazitäten des Hauses abgesagt werden mussten.

Dass die Personaldecke des Hauptstaatsarchivs aufgrund der Personalabgänge in den Jahren 2004 und 2005 eng geworden ist, ist vor allem im Gehobenen Dienst und im Angestelltenbereich zu spüren, insbesondere dann, wenn auch noch krankheitsbedingte Ausfälle zu verkraften sind. Positiv ist zu berichten, dass durch befristete Arbeitsverhältnisse sowie Arbeitsgelegenheiten gute Ergebnisse im Bereich der Bestandserhaltung und der Retrokonversion erzielt werden konnten. Hilfreich ist auch die befristete Einstellung eines Mitarbeiters des Gehobenen Dienstes als Elternzeitvertretung, auch wenn die Lücke im Gehobenen Dienst dadurch nur bedingt geschlossen werden kann.

Den gesamten Jahresbericht im PDF-Format zum Download finden Sie unter folgendem Link: