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Landesarchiv >> Jahresberichte >> Jahresbericht 2007 >> Abteilung 5: Staatsarchiv Ludwigsburg

Abteilung 5: Staatsarchiv Ludwigsburg

Das Jahr 2007 hat dem Staatsarchiv Ludwigsburg aufgrund der umfangreichen Medienberichterstattung über den 30. Jahrestag des Deutschen Herbstes im Jahr 1977 überdurchschnittliche Aufmerksamkeit von Nutzerseite, aber auch in den Medien beschert. Insbesondere die Entdeckung von Tonbandmitschnitten aus dem Stammheimprozess, die im Sommer bekannt gemacht wurde, zog zahlreiche Nachfragen von den verschiedensten Seiten und eine breite überregionale Berichterstattung nach sich. Überdies trat das Archiv selbst mit eigenen Veranstaltungen zur Thematik sowie als Kooperationspartner renommierter Einrichtungen in die Öffentlichkeit. Dass in diesem Kontext die Bedeutung des Archivs für die Sicherung zeitgenössischer Quellen zumindest partiell einem breiteren Publikum vermittelt werden konnte, darf als erfreuliches Nebenprodukt dieses außergewöhnlichen "Jubiläumsjahres" verbucht werden.

Überlieferungsbildung

Der Umfang des im Rahmen der Aktenaussonderung vom Staatsarchiv übernommenen Archivguts ist im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr erneut zurückgegangen, lag aber deutlich über den Kalkulationen zu Jahresbeginn. Die umfangreichsten Zugänge stammten wiederum von Gerichten und Staatsanwaltschaften (Stuttgart und Ellwangen), wo teilweise noch erhebliche Rückstände bei der Aktenaussonderung bestehen. Erfreulicherweise konnten auch einige eher ungewöhnliche Unterlagen vom Staatsarchiv übernommen werden; erwähnenswert sind insbesondere die Sicherung eines Tonbandmitschnitts der Urteilsverkündung im Ulmer Einsatzgruppenprozess von 1958 sowie die in Gang gekommene Abgabe von Foto-, Film- und Tondokumenten des Dokumentationstrupps beim Stuttgarter Polizeipräsidium. Weiteres audiovisuelles Material wird von der Akademie Schloss Solitude abgegeben werden, die - knapp zwanzig Jahre nach ihrer Gründung - sich zu einer ersten Abgabe von Unterlagen an das Staatsarchiv entschlossen hat.

Ebenfalls weitere Fortschritte gemacht hat der Aufbau des digitalen Archivs. Der vom Aufbaustab entwickelte elektronische Speicher zur Langzeitarchivierung (DIMAG) hat seine Funktionstüchtigkeit in der Praxis erwiesen und konnte im Berichtsjahr bei verschiedenen Gelegenheiten interessierten Fachkollegen aus dem In- und Ausland vorgestellt werden. Gleichzeitig wurden weitere elektronische Unterlagen übernommen, wobei neben Daten aus dem Zuständigkeitsbereich des Staatsarchivs Ludwigsburg (insbes. Statistiken und Datenbanken) auch solche anderer Archivabteilungen im DIMAG gespeichert werden konnten. Erstmals konnten auch Daten eines geographischen Informationssystems (Straßenbauverwaltung) übernommen werden. Mitarbeiter des Aufbaustabs engagierten sich überdies in verschiedenen nationalen Initiativen und Arbeitskreisen zur elektronischen Langzeitarchivierung.

Bestandserhaltung

Die Aktivitäten im Bereich der Bestandserhaltung konzentrierten sich wie in den Vorjahren auf präventive Maßnahmen. Erneut konnte überwiegend mit Hilfe von Arbeitskräften des zweiten Arbeitsmarkts (Arbeitsgelegenheiten, EGZ-Mitarbeiter) Archivgut im Umfang von mehr als einem Regalkilometer - darunter auch Sonderformen wie Glasplatten und Urkunden - fachgerecht verpackt werden; im Mittelpunkt standen neben Arbeiten an neu bearbeiteten Beständen besonders gefährdete oder stark genutzte Archivalien. Abgeschlossen wurde im Berichtsjahr die Sicherungsverfilmung der Akten der Interniertenspruchkammern; damit ist der bedeutsamste Teil der in starkem Maße vom Säurezerfall bedrohten Entnazifizierungsakten langfristig gesichert - durch Reproduktion auf Mikroformen oder Entsäuerung des Originals.

Erschließung

Bei der Erschließung gab es gegenüber dem Vorjahr signifikante Veränderungen der Arbeitsschwerpunkte, die sich auch in der Statistik niedergeschlagen haben. Insgesamt konnte der Bestand der im elektronischen Findmittelsystem nachgewiesenen Erschließungsdaten im Berichtsjahr erneut um fast 200.000 Verzeichnungseinheiten vermehrt werden. Allerdings haben sich die Anteile an importierten und erfassten Altdaten (Konversion) einerseits und im Archiv neuerstellten Daten (klassische Erschließung) gegenüber dem Vorjahr verschoben. Nach dem Auslaufen der Erschließungs- und Verpackungsarbeiten an den Spruchkammerakten beschäftigten sich die für einfache Erfassungsarbeiten vorgesehenen Arbeitsgruppen mit Hilfskräften überwiegend mit Beständen (Wiedergutmachungsakten, Personalakten von Bahnbeamten), bei denen die konservatorischen Arbeiten im Vordergrund standen und sich die Erschließungstätigkeit überwiegend auf die - statistisch nicht erfasste - Kontrolle und Ergänzung bereits vorhandener Daten beschränkte. Zu dem ursprünglich vorgesehenen Einsatz der Arbeitsgruppen bei der Bearbeitung von Justizakten kam es noch nicht, weil die im Vorfeld erforderliche (Nach-) Bewertung der entsprechenden Zugänge anders als geplant erst im Jahr 2008 in Angriff genommen werden kann. Von den sonstigen klassischen Erschließungsarbeiten verdienen neben der Bearbeitung von Beständen mit Massenakten der Polizei, Justiz (Vereins- und Genossenschaftsregister) und Psychiatrie vor allem der Abschluss der Neuverzeichnung der Urkunden des Klosters Schöntal und der Verzeichnung von NS-Akten im Rahmen eines Projekts der Stiftung Kulturgut sowie die kurz vor dem Vollendung stehende Bearbeitung der Verwaltungsakten der Spruchkammern besondere Erwähnung.

Konversion von Findmitteln

Weiterhin ein Arbeitsschwerpunkt der Aktivitäten im Staatsarchiv bildete wie in den Vorjahren die Konversion maschinenschriftlicher und gut lesbarer handschriftlicher Findbücher durch angelernte Hilfskräfte. Gleichzeitig wurde der Import der bereits in elektronischer Form vorliegenden Erschließungsaltdaten abgeschlossen. Die Erfassungsarbeiten werden im Team erledigt, wobei erfahrene Kräfte, die mit Unterstützung der Arbeitsagentur befristet eingestellt werden konnten, als Betreuer für die Ein-Euro-Kräfte fungieren. Der Umfang der erfassten Alttitelaufnahmen konnte gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt werden (von knapp 70.000 auf fast 120.000), was ca. 3000 Regalmetern Archivgut entspricht. Der Gesamtbestand an elektronisch (im Intra- und im Internet) verfügbaren Verzeichnungseinheiten beläuft sich zwischenzeitlich auf mehr als 1,5 Millionen; damit sind fast 45 % des Archivguts im Archivinformationssystem des Landesarchivs nachgewiesen. Eine große Herausforderung der nächsten Jahre wird die Konversion der schlechter lesbaren und formal uneinheitlicheren handschriftlichen Findbücher sein, für die entsprechende Fachkräfte nicht über die Arbeitsagenturen rekrutiert werden können. Hier wird man verstärkt auf Drittmittel angewiesen sein, wie sie im Berichtsjahr etwa für die Bearbeitung zweier herausragender Bestände der frühen Neuzeit von der Wüstenrot-Stiftung eingeworben werden konnten. Weitere Fortschritte gemacht hat im Berichtsjahr im Übrigen auch die Konversion des Bibliothekskatalogs, für den nach Migration des vorhandenen Datenbestands in eine neue zentrale Datenbank beim BSZ jetzt ein neuer komfortabler und über das Internet zugänglicher OPAC zur Verfügung steht.

Generell zu konstatieren bleibt freilich auch, dass der Abbau des Fachpersonals und der gleichzeitig wachsende Aufwand für die Administration der immer komplexeren IT-Infrastruktur, aber auch für die Betreuung der großen Zahl von Hilfskräften, die insbesondere für die Bestandserhaltung, Zugangsbearbeitung und Konversion eingesetzt werden, bei zudem steigender Nutzung im Lesesaal nahezu ausschließlich zu Lasten anspruchsvollerer Erschließungsarbeiten geht. Solche Projekte können zunehmend nur noch in Form von sonderfinanzierten Projekten realisiert werden. Der Mangel an Fachpersonal machte sich gerade im Berichtsjahr aber auch bei der Vorbereitung und Begleitung von Projekten zum Abbau der weiterhin enormen Erschließungsrückstände bemerkbar. Mit Hilfskräften allein können diese Defizite langfristig kaum abgebaut werden.

Nutzung

Die Bemühungen des Staatsarchivs um einen beschleunigten Ausbau der elektronischen Recherchemöglichkeiten dürften auch eine wesentliche Ursache für den weiteren Anstieg bei der Nutzung im Lesesaal sein. Damit setzte sich der Trend der letzten Jahre fort. Insgesamt stieg die Auslastung des Ludwigsburger Lesesaals in den letzten fünf Jahren um mehr als 70 %. Eine weitere Erleichterung für die Planung von Archivbesuchen bedeutete das elektronischen Bestellsystem, das am 1. Januar 2007 in Betrieb genommen wurde. Die komfortablen Recherche- und Bestellmöglichkeiten scheinen nicht zuletzt Nutzer mit längerfristigen Arbeitsvorhaben in das Archiv zu locken. Die Zahl der Personen, die den Lesesaal besucht haben, ist gegenüber dem Vorjahr jedenfalls prozentual weniger stark gestiegen (um 56 oder 7,5 %) als die Zahl der Nutzertage (um 368 oder 16,4 %). Die durchschnittliche Verweildauer eines Benutzers im Lesesaal lag 2007 bei 3,24 Tagen (2006: 2,99 Tage; 2005: 2,51 Tage) und damit so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Nicht weiter gesunken ist die Anzahl der schriftlichen Auskünfte (einschließlich Sperrfristverkürzungen). Das Ergebnis bewegt sich auf dem Niveau der Jahre vor der Welle von Zwangsarbeiteranfragen. Der weitere Ausbau des Online-Angebots hat mithin nur partiell ein Absinken der Anfragen zur Folge. Allerdings hat sich der Charakter der Recherchewünsche in den letzten Jahren deutlich verändert; es dominieren Einzelauskünfte, insbesondere personenbezogenen Inhalts. Pauschale Auskünfte über die Überlieferungslage zu einer bestimmten Thematik werden dagegen kaum mehr verlangt. Im Jahr 2007 nahm - nicht zuletzt wegen der erhöhten Interesses an zeitgeschichtlichen Themen (RAF) - vorübergehend auch die Zahl der Sperrfristverkürzungen deutlich zu.

Veranstaltungen, Archivpädagogik

Ebenfalls überaus erfreulich hat sich die Nachfrage nach den pädagogischen und sonstigen Veranstaltungsangeboten des Staatsarchivs entwickelt. Außerordentlich stark nachgefragt waren vor allem Führungen und Schnupperveranstaltungen für Schulen; die Zahl der Teilnehmer an Archivführungen stieg gegenüber dem Vorjahr insgesamt um mehr als 80 % (von 1620 auf 2971), die der Teilnehmer an den Spezialführungen für Schüler sogar fast um mehr das Zweieinhalbfache (von 1080 auf 2632). Die Zahl der jungen Archivbesucher lag damit erstmals über der Zahl der klassischen Benutzertage im Lesesaal. Besonders großen Interesses erfreuten sich weiterhin die "Klassiker" für jüngere Schüler (Ritter, Märchen, Räuber); Zuspruch fanden aber auch neu konzipierte Module für die Mittel- und Oberstufe. Die große Nachfrage zwang das Archiv, erstmals auch externe - ehrenamtliche und freiberufliche - Mitarbeiter zur Durchführung dieser Veranstaltungen einzusetzen, deren Rekrutierung über Zeitungsaufrufe und das örtliche Freiwilligenbüro erfolgte.

Auch die sonstigen Veranstaltungen des Staatsarchivs stießen auf eine erfreuliche Resonanz. Dies gilt insbesondere für die Veranstaltungsreihe "30 Jahre Deutscher Herbst", für die einige prominente Referenten gewonnen werden konnten. Die höchste Besucherzahl (mehr als 350) wurde bei einem Vortragsabend mit Stefan Aust registriert, der wegen der starken Nachfrage sogar in einen anderen Saal verlegt werden musste. Präsent war das Archiv auch als Kooperationspartner des Schauspiels Stuttgart bei dessen stark beachtetem Projekt "Endstation Stammheim". Zwei Inszenierungen ("Peymannbeschimpfung" und "Vorsicht Schusswaffen") basierten direkt auf Unterlagen aus den Ludwigsburger Beständen. Dem Archiv ist es über diese Kooperation gelungen, sich auch bei "archivfernen" Zielgruppen ins Gespräch zu bringen. Im Vergleich dazu bewegte sich das Interesse an den Ausstellungen des Staatsarchivs, die wie gewohnt in Kooperation mit traditionellen, externen Partnern (Bundesarchiv, Hohenloher Kultursommer, Hauptstaatsarchiv Stuttgart) durchgeführt wurden, im erwartbaren Rahmen.

Den gesamten Jahresbericht im PDF-Format zum Download finden Sie unter folgendem Link: