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Textedition A 602 Nr. 173

Textedition A 602 Nr. 173


Das "älteste Anbringen" der Landschaft von Württemberg-Stuttgart an Graf Ulrich V. von Württemberg

Ausfertigung, Papier, 1 Bogen folio / (vgl. II 8)

Edition: Überarbeitet nach Schneider, Ausgewählte Urkunden, Nr. 19, S. 53-55 (ohne Zeilenumbrüche entsprechend der Vorlage)


[1459 November]

Hochgeborner genediger herr1 . Als uwer gnaden hoffmeister und ratt durch uwer gnaden empfelhen uns armen von der lanntschafft besanndt und zu erkennen geben haben ettlich schwär fürnemen und handeln, so dann jetz uwern gnaden in der furmünderschafft unsers genedigen herren grave Eberharts2 , uwer gnaden vetters, begegnen, zusampt andern schwären louffen, darinne uwer gnad, als uns beduncken wil, vast gesmächt und verachtet wirdt, und daruf an uwer gnaden stat an uns begert mit hoher ermannung, uns zu fürsehen und darnach zu richten, ob es zu schulden käm, das uwern gnaden gebürt, ettwas in und zu disen dingen fürzunemen, daz wir dann zu uwern gnaden setzen und tun wölten als die, dero vordern und ouch wir an der herrschafft zu Wirtemberg als fromm, getruw lut und undertan allwegen erkennt und funden worden waren, wie dann das in lengern, ersamern und gebürlichern worten gelut hat, haben wir vermerckt und sind sölicher sachen in vergangen ziten und jetz gegenwirtig gegen uwern gnaden fürgenommen und gesucht nit allain erschrocken, sonder hoch und tieff beswärt, angesehen, daz wir die sind, die uwern gnaden hoher eren, lobs und guts gonnen mer dann iemandts anders der lebt, als daz natürlich und billich ist. Dann wir können woll gemercken, wann uwern gnaden er, nutz und guts zustet, daz das uss uwern gnaden in uns armen ouch flüsset, und hinwiderumb, wann uwern gnaden schad, unfuog oder widerwärtikeit begegnet, das wo das beschicht unss in truwen laid ist, daz wir des ouch mitlider sin müssen, als daz ouch billich ist. Solichs angesehen so wären wir allwegen geneigt uwer gnaden lob, er, nutz und bestentlicheit zu uffnen und zu fürdern, als wir uns eren halb erkennen schuldig sind; uwer gnaden sol ouch nit zwifeln, dann das wir zu uwern gnaden unser lib und guot in allen gebürlichen sachen zu setzen nit sparen wollen. Aber uwer gnad und uwer gnaden rätte sind der vergangen und gegenwartigen louf gar wol bericht und mit sonder, wie unser herr der pfaltzgraf3 und der markgraf von Baden4 sich kürtzlich understünden uwer gnad zu überziehen und zu beschedigen wider billichs, daz uns noch unvergessen ist, des uwer gnad die gemain ritterschaft und lanntschafft vast und hoch beswärt. Was und wie uns armen von der lanntschafft sölich beschwarnus ouch furgehalten und was dozemal mit uns geredt ward, ist uwern gnaden und uwer räten noch wol ingedenk und wissend, des wir meinend desshalb davon witer zu melden nit not tuot danne sovil, als dozemal von der ritterschaft und lanntschafft uwern gnaden von uwer gnaden er und nutz wegen mancherlei gebrechen und beswärnus der ritterschafft und lanntschaft gegen uwrn gnaden angelegen fürgehalten ward, under anderm wie uwer gnade durch solich gebrechen und uwer regieren und fürnemen, als uns beduncken wolt, ir selbs, der gemeinen ritterschafft und uns solich beswarnüs zufügte und sich selber anders hielte dann uwer gnaden stat und herlicheit zustiend und uwer gnaden altvordern seliger gedechtnüs getan hetten, ouch mit mehr worten für uwer gnad gebracht. Ist uns noch unvergessen, daz uns uwer gnad darzu genedig, erber und gut antwurt gab uff meinung: fügte got der allmechtig, das sölich sachen understanden und hingelegt würden; uwer gnad wolte firo, des wir kainen zwifel solten haben, mit rat uwer gnaden ritterschafft, der prelaten und lanntschafft also regieren, handeln und fürnemen, das uwern gnaden, der ritterschafft, den prelaten und unss zu guotem kommen und dienen sölt. Des wir nit klein fröd hetten und also getröst unser lib und leben zu uwern gnaden zu setzen zusagten, ouch mit mer worten hierzu dienende. Daz aber von uwern gnaden, als uns beduncken wil, bissher noch nit beschehen ist, und haben doch nit zwifel, wäre uwer gnad dem nachkommen, uwer gnad wär jetz und füro in künftig zit sölichs unbillichs fürnemens und handels ab und vertragen. Nu verstat uwer gnad wol, wir armen mercken ouch das in unser kleinen vernufft, das billich, nütz und guot ist, daz ir und ander fürsten und herren ire lant und lüt regieren durch die edeln geborn und erbern rätt der ritterschafft, das aber, als uns beduncken wil, bissher nit geschehen ist, sonder die vast geüssert und geobert werden und haben darfür, daz sölichs vast ein ursach sie der vergangnen und jetzigen schwären und widerwärtigen louffe und handlung. Demnoch, genediger herr, so bitten wir armen, uwer gnad mit allerundertänikeit gehorsamclich und ernstlich, uwer gnad wöll ansehen und bedencken uwern gnaden vordern seliger gedechtnüss, wie die so loblich, wol und in selbs nützlich und erlich durch den gebornen adel der ritterschafft geregiert haben, und in dem den fusstaffen uwer altvordern loblicher gedechtnüs nachvolgen und die erbern ritterschaft zu uwern gnaden ziehen, die nit obern, sonder die voderer haben dann bissher beschehen, als das ouch billich, uwer gnaden loblich, nützlich und erlich ist, und mit derselben und ander uwer und unser herren und guten frunde rate und hilff in disen sachen und louffen, die uns schwärlich anhangen und erschinen, furnemen und handeln, daz uwer gnaden, der erbern ritterschafft, den prelaten, lanntschafft und unser nutz beliben und bestentlickeit sie und werd und uwer gnaden, si und wir sölichs unbillichs fürnemens füro dester bass absin und in gutem wesen beliben mögen, als wir nit zwifeln uwer gnad und uwer gnaden rätt und erber ritterschafft wol zu tun wissen, bass dann wir davon geschriben oder sagen konnen. Dester gerner wöllen wir armen unser lib und leben und alles unser vermögen, wo sich daz gepürt, zu dem das wir das schuldig sind zu uwern gnaden zu setzen, nit sparen, sonder alles das tun, daz fromm getruw lüt irem genedigen herren verbunden und schuldig sind, und darinn nit hinder sich heben umb deheinerlei sach willen. Und hieruff so bitten wir uwer gnaden rätt und alle die, die uwern gnaden rats oder diensts halb gewand und verbunden sind, mit allem fliss dienstlich, daz si vorab umb gottes und unser armen willigen dienst willen uwer gnade und unss in disen schwaren louffen und sachen nit verlassen, sonder mit guotem ratt, hilff und bistand getruwlich zu uwern gnaden und uns setzen, als sich gepurt und ein notdurft ist und als wir des und alles guten zu in und der erbern ritterschafft ein unzwifenlich getruwen haben. Daz wöllen wir armen mit unser cleine um si all und ieglichen besonder und die iren gar unvergessenlich und willig haben zu gedienen, als dann ouch billich ist. Dann wir können wol versten und mercken nach handlung solicher sachen, wo dise ding nit mit getruwem ratt und anders dann bissher furgenommen und gehandelt werden, daz dann daz uwer gnaden, der erbern ritterschaft und uns zu gantzem verderben langen und kommen möcht, davor got der allmechtig sin und uwer gnad und si mit sölicher vernufft und wissheit begnaden und erlüchten wöll, damit das also gehandelt und fürgenommen werde, das es siner allmechtikeit lob und er geber und uwer gnaden, der erbern ritterschaft, den prelaten und unss armen von der lanntschafft nützlich wesen, beliben und uffenthalt. Und wir bitten ouch uwer gnad und uwer gnaden ratt sölichs von uns im besten, als das beschicht, zu vermercken und dise unser ainfeltige mainung bass zu gründen und zu versten dann wir das usslegen und setzen mogen. Dann was wir zu fürkommung diser ding guotes getan und fürnemen möchten, darinn wolten wir unser lib und guot nach unserm vermögen nit sparen sonder volkommenlich darstrecken als wir erkennen schuldig sin.



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1 Gemeint ist Graf Ulrich V. von Württemberg-Stuttgart (um 1413-1480)
2 Graf Eberhard V. von Württemberg-Urach (1445-1496)
3 Pfalzgraf Friedrich I. (1425-1476)
4 Markgraf Karl von Baden (? 1475).



Bearbeiter: Peter Rückert