Entdeckungsreise ins Hohenlohe-Zentralarchiv
Kinder stöbern im Archiv
23.10.2008-31.12.2008
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| Kinder im Magazin des Hohenlohe-Zentralarchivs
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Zwischen 8 und 11 Jahre alt sind die Kinder, die sich gegen 10 Uhr an der schweren Schlosspforte in Neuenstein eingefunden haben. Dort werden sie von Archivar Dr. Martin Schlemmer in Empfang genommen. Schlemmer, der im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein im Schloss arbeitet, erklärt den Kindern in den folgenden 2 Stunden im Rahmen des Kinderferienprogramms der Stadt Neuenstein, welche Kostbarkeiten und Schätze das Archiv für seine Besucher bereithält.
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| Erwartungsvoll sitzen die Kinder am Tisch |
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Zunächst erfahren die Kinder einiges über die Entwicklung der Schrift und der Beschreibstoffe im Laufe der vergangenen Jahrhunderte. Besonders beeindrucken die Schüler die in einer Vitrine ausgestellten mittelalterlichen und neuzeitlichen Schriftstücke. Eines ist sogar in hebräischer Sprache abgefasst. Dass man früher unter anderem auf Pergament, also auf Tierhaut, schrieb, ist für die neugierigen Kinder neu.
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| Beispiele mittelalterlicher Buchschriften in der Vitrine
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Auf einem Rundgang durchs Magazin sehen sie nicht nur wertvolle Urkunden und Akten, von denen viele mehrere Hundert Jahre alt sind, sondern auch eine richtige Schatztruhe. Darin wurden früher besonders bedeutsame Schriftstücke verwahrt und bei Gefahr in Sicherheit gebracht. Jonathan (8) kann mit hochrotem Kopf und großer Mühe gerade einmal die Hälfte der Schatzkiste in die Höhe hieven, und auch die anderen Kinder erkennen schnell, wie "gewichtig" der Inhalt damals gewesen sein muss. Immerhin konnte man, wie die 11jährige Nanne treffend bemerkt, die Truhe mit vier Schlössern verschließen und somit vor ungebetenem Zugriff sichern.
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| Die Schatztruhe |
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Im Kartenraum folgen die Teilnehmer gebannt den Ausführungen des Archivars zu möglichen Schäden, die das Schriftgut ereilen können: Bücherwurm, Tintenfraß und Schimmel haben schon so manch einem kostbaren Schriftstück arg zugesetzt. Dagegen helfen säurefreie Spezialverpackungen und wohltemperierte Lagerung. Im Notfall machen sich Restaurierungs-Spezialisten an die Arbeit. Im Hohenlohe-Zentralarchiv hat man glücklicherweise mit solch schlimmen Schäden kaum zu kämpfen.
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| Ein alter Atlas gehört zu den Schätzen des Archivs |
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Großes Interesse wecken auch ein fürstliches Erdkunde-Schulheft aus dem 18. Jahrhundert und das Zeugnis eines hohenlohischen Prinzen aus dem 19. Jahrhundert. Schmunzeln und Verwunderung ruft die für die heutige Zeit ungewöhnliche Notenskala hervor: Die Noten reichen von einer 1, über eine 1-2a und 2b bis zur 3-4 und 4. Erleichtert registrieren die Kinder, dass auch ein adeliger Prinz nicht nur gute Noten nach Hause brachte.
Dass Archivare mitunter auch körperliche Fitness an den Tag legen müssen, beweist ein fast 200 Jahre alter Band: Er wiegt stolze 11 Kilogramm, wovon sich die Kinder selbst überzeugen können. Unter großer Kraftanstrengung hebt der jüngste Teilnehmer, Simon, das ebenso kostbare wie schwere Buch in die Höhe.
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| Bei der Entzifferung des alten Briefes einer hohenlohischen Prinzessin |
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Zum Abschluss versuchen sich die Junghistoriker an der Entzifferung eines Kinderbriefes, den eine echte hohenlohische Prinzessin um das Jahr 1800 an ihren Bruder, den späteren Fürsten August II., geschrieben hat. Die "Erfolgskontrolle" bestehen die Kinder bravourös. Eine Mutter fragt die Kinder beim Abholen, wie lange eine Aneinanderreihung aller Unterlagen des Hohenlohe-Zentralarchivs wäre. "Fünf Kilometer!", kommt es von Nanne wie aus der Pistole geschossen, während die ersten Kinder schon den Abstieg über die steinerne Wendeltreppe begonnen haben.
Text: Dr. Martin Schlemmer
Fotos: Gabriele Wigand-Grover