Deutsche Heimschulen in Württemberg

Kriegsbedingte Maßnahmen

Einsätze der "Jungmannen"

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland verschlechterte sich im Laufe des Zweiten Weltkriegs ständig. Das Ziel der Nationalsozialisten, die Selbstversorgung Deutschlands mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln (Autarkisierung der deutschen Wirtschaft), konnte nur annähernd erreicht werden - trotz zahlreicher Ernte- und Hilfseinsätzen.

Wie sich im Laufe der Kriegsjahre die Stundenzahl der Ernteeinsätze erhöhte, zeigen folgende Übersichten der Aufbauschule Maulbronn:
Welche Einsätze gab es für die "Jungmannen"? Oft mussten die verschiedenen Einsätze während den Ferien oder in der Freizeit der Schüler geleistet werden.

Beispiele:

Vom 2. bis 15. September 1944 mussten sich 52 Schüler und zwei Erzieher der Deutschen Heimschule Blaubeuren in Tettnang an der Hopfenernte beteiligen. Während des Einsatzes standen der Leiter der Heimschule und die beiden Erzieher in brieflichem Kontakt:
Am 3. September schreibt P. eine Postkarte und einen Tag später einen Brief an den Heimschulleiter Dr. S.: Um die "Jungmannen" bei ihrem Ernteeinsatz zu motivieren, hat P. einen Wettbewerb ausgesetzt; die drei besten Erntehlfer werden mit einem Bücherpreis belohnt.
Am 6. September folgt Dr. S.s Antwortbrief.
Später schreibt Dr. S., dass die Jahrgänge 1927/29 der Oberschulen der Umgebung zum Westwalleinsatz abkommandiert wurden. Ob sich auch seine Schüler an diesem Einsatz beteiligen müssen, sei noch unklar. Dr. S. wolle sie jedoch von diesem Einsatz - wenn möglich - zurückhalten, "denn zu dieser Arbeit ist ja doch ein großer Teil unseres Zuges IV körperlich noch nicht in der richtigen Verfassung."
(Letztendlich mussten 25 Schüler der DHS Maulbronn zum Kriegseinsatz an den Westwall.)

Der Bäckermeister Christian E. wandte sich im Juni 1942 mit einer Bitte an den Leiter der Deutschen Heimschule Blaubeuren: Aufgrund des Krieges stand ihm außer seiner Frau keine Arbeitskraft zur Verfügung. Daher bat er den Leiter der DHS Blaubeuren, seinem Sohn Fritz E. in den Sommerferien frei zu geben, um die landwirtschaftliche Arbeit während der Erntezeit durchführen zu können.
Staatsarchiv Ludwigsburg
F 445, Bü 47, F 445 Bü 48 und F 447, Bü 67