Deutsche Heimschulen in Württemberg

Schüler

Briefwechsel zwischen dem Schulleiter der Deutschen Heimschule Blaubeuren und einem ehemaligen Schüler

Der Briefwechsel zwischen M.F. und Dr. S. zeigt, von welchem Ausmaß die Wirkung der NS-Propaganda war, wie sie die Menschen "erfasste", lenkte und beeinflusste.
M.F. war Schüler der Deutschen Heimschule Blaubeuren. Dr. S. war der Leiter dieser Schule. Während eines Jahres - zwischen Juni 1943 und Juni 1944 - standen die beiden regelmäßig in brieflichem Kontakt, um sich vor allem über den Krieg, den "Freiheitskampf Europas" auszutauschen. Der Briefwechsel endete, als M.F. im Juni 1944 an die Westfront abkommandiert wurde, um die Invasion der Alliierten aufzuhalten.

Der Briefwechsel zwischen dem jungen Soldaten und seinem Schulleiter - beide überzeugte Nationalsozialisten - ist in drei Phasen gegliedert:

Mit der ersten Phase beginnt gleichzeitig ein neuer Lebensabschnitt für den ehemaligen Heimschüler: Nachdem M.F. seine Schullaufbahn beendet hat, wird er im Juni 1943 für einen Monat zum RAD (Reichsarbeitsdienst) nach Grießheim einberufen. Danach arbeitet er eine zeitlang in Augsburg als Funker. Später wird M.F. nach Frankreich versetzt. Sein Aufenthaltsort ist in derselben Gegend, in der Dr. S. bereits im Ersten Weltkrieg stationiert war.

Die Briefe der zweiten Phase sprühen vor Optimismus, Abenteuerlust, Kampf- und Opferbereitschaft. M.F. möchte sein "Vaterland" vor allem vor den "gewaltigen Massen des Bolschewismus" schützen um so den "Endsieg" des Deutschen Reiches zu sichern, an den beide - M.F. und Dr. S. - fest glauben. Eine Kapitulation der Deutschen, die "das Ende des Reiches, ja Europas" bedeuten würde, hält er trotz allen Niederlagen und Rückschläge für ausgeschlossen.

Vom einst kriegsbegeisterten M.F. ist in der dritten Phase immer weniger zu spüren. Nachdem er ein halbes Jahr als Soldat gekämpft und einen guten Freund im Krieg verloren hat, wird er nachdenklicher und sieht vor allem in den "Bolschewisten", den "Bestien in Menschengestalt" und den "plutokratischen Amerikanern" eine wachsende Gefahr für die Deutschen. Doch selbst die Invasion der Alliierten im Juni 1944 kann seinen Glauben an den Führer und an den Sieg der Deutschen nicht erschüttern.


Staatsarchiv Ludwigsburg
F 445, Bü 37